Es gibt noch Schönheit zu entdecken
Diese Hoffnung ist für uns wie ein sicherer und fester Anker, der hineinreicht bis ins innerste Heiligtum, in das Allerheiligste hinter dem Vorhang im himmlischen Tempel. (Hebräer 6,19)
Meine Stimmung gefiel mir nicht. Sie war nicht wirklich kalt, eher kühl – mit der Andeutung eines Gewitters, genau wie das Wetter an diesem Tag. Ich wusste, warum ich mich so fühlte, und es machte mir Angst. Veränderung lag in der Luft; sie lastete schwer auf mir wie drohende Wolken.
Der Geruch von Regen lag in der Luft. Ich saß auf einer kleinen Anhöhe neben einem Heuhaufen. Rechts von mir breitete sich ein Apfelbaumhain aus, hangabwärts standen Büsche, und links graste eine kleine Schafherde auf der Lichtung. Hoch oben durchbrachen ein paar schmale Sonnenstrahlen die bleiernen Wolken. Die Berge in der Ferne schimmerten in gedämpften Farben – Grün-, Grau- und Blautöne, dazwischen zarte Violettschattierungen. Dazwischen hing ein leichter Regen wie ein durchsichtiger Schleier. Trotz des fehlenden Sonnenscheins und der gewohnten leuchtenden Farben war die Aussicht wunderschön.
Genau wie heute, dachte ich. Wie diese Woche, wie die letzten Monate. So viel Ungewissheit wie diese Wolken über mir. So viele Herausforderungen wie diese Berge vor mir. Doch selbst in diesen schwierigen Zeiten gibt es Schönheit zu entdecken.
Plötzlich zogen die Wolken weiter, die Sonne kam hervor und es wurde spürbar wärmer. Ein kleiner Fliederfalter setzte sich auf meinen Schuh, und ein Specht klopfte seine Botschaft in den Wald: „Gott ist Liebe.“ Die Hoffnung zeigte sich – und sie war wunderschön! ¹
Offen und ohne festes Ziel zu warten, ist eine ungewöhnlich radikale Haltung zum Leben. Ebenso radikal ist es, die Kontrolle über die Zukunft abzugeben und Gott unser Leben gestalten zu lassen. In einer Welt, die von Kontrolle besessen ist, ist das eine wirklich mutige Einstellung. – Henri J. M. Nouwen (1932 – 1996)
¹ Activated: Wo gibt es Hoffnung?