Befreiend und verwandeln
Doch bei dem Herrn, unserem Gott, ist die Barmherzigkeit und die Vergebung, obwohl wir uns gegen ihn aufgelehnt haben (Daniel 9,9)
Vergebung ist zweifellos eine Herausforderung, doch sie ist ein grundlegender Bestandteil des christlichen Lebens. Jesus lehrte nicht nur über diese wichtige Tugend – Er war auch ein lebendiges Beispiel dafür. In Lukas 9 wird Jesus in einem samaritischen Dorf nicht willkommen geheißen, weil Er auf dem Weg nach Jerusalem ist. Die Jünger sind über die Reaktion der Dorfbewohner so empört, dass sie anbieten, Feuer vom Himmel herabzurufen, um sie zu verbrennen.
Jesus erinnert sie daran, dass Er nicht gekommen ist, um Leben zu zerstören, sondern um es zu retten.
Es wird die Geschichte einer Krankenschwester erzählt, die den Auftrag erhielt, sich um einen Mann zu kümmern, der Jahre zuvor für die unrechtmäßige Inhaftierung ihres Vaters verantwortlich gewesen war. Sie zögerte, den Fall zu übernehmen, tat es jedoch, weil sie wusste, dass ihr Vater, der Prediger gewesen war, sich von ihr ein vergebungsbereites Herz gewünscht hätte. Trotz der mürrischen Art des Mannes zeigte die Krankenschwester eine freundliche, geduldige Haltung und erhielt schließlich die Gelegenheit, ihren Glauben an Gott mit ihm zu teilen. Am Ende war er von ihrer Liebe und Güte so bewegt, dass er einen neuen Anbau für das Krankenhaus finanzierte und ihn nach dem Vater der Krankenschwester benannte.
Ich muss gestehen, dass es mir nur allzu leichtfällt, Groll zu hegen. Doch ich habe gelernt, mich auf jene Momente zu besinnen, in denen ich selbst auf die Vergebung anderer angewiesen war, weil ich sie gekränkt hatte. So herausfordernd Vergebung auch sein mag: Ist sie einmal empfangen und gelebt, wirkt nichts Befreienderes oder Verwandelnderes.¹
Vergebung ist keine gelegentliche Handlung; sie ist eine dauerhafte Haltung. – Martin Luther King Jr.
¹ Englisches Original: The Forgiveness Challenge Deutsch: Franz