Charakterstärke in der Güte
Was einen Menschen wirklich auszeichnet, ist beständige Liebe und Güte. (Sprüche 19,22)
Güte zeigt sich nicht von selbst – sie verlangt Achtsamkeit, Einsatz und Zeit. Vor allem aber braucht sie Mut. Den Mut, auch einmal allein für eine Sache einzustehen.
Den Mut, zu geben, selbst wenn man selbst wenig hat.
Den Mut, Gleichgültigkeit nicht einfach hinzunehmen.
Den Mut, das Richtige zu tun – besonders dann, wenn es so offensichtlich erscheint, dass man denkt: „Bestimmt kümmert sich schon jemand anderes darum, der mehr Zeit oder Möglichkeiten hat.“
Güte ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von innerer Stärke. Sie erfordert den Willen, sich einzubringen, zu schenken, zu vertrauen und durchzuhalten – auch wenn es Widerstände gibt oder ein Preis zu zahlen ist. Solche Güte hinterlässt Spuren und wirkt weit über den Moment hinaus. ¹
Eisen ist hart, doch das Feuer schmilzt es.
Feuer ist mächtig, doch das Wasser löscht es.
Wasser ist stark, doch die Wolken lassen es verdunsten.
Wolken sind gewaltig, doch der Wind treibt sie fort.
Der Wind ist ungestüm, doch der Mensch hält ihm stand.
Der Mensch ist widerstandsfähig, doch die Furcht lähmt ihn.
Furcht ist beherrschend, doch der Wein betäubt sie.
Wein ist berauschend, doch der Schlaf übermannt ihn.
Schlaf ist tief, doch der Tod ist noch mächtiger.
Doch die Güte überdauert selbst den Tod.
– Rabbi Jehuda bar Ilai (2. Jahrhundert)
¹ Activated: Den Mut haben, freundlich zu sein