Güte und Barmherzigkeit

„Wir aber, die wir stark sind, sollen die Schwachheiten der Schwachen tragen …“ (Römer 15,1)

Als mich die traurige Nachricht vom Tod unseres Freundes Willie erreichte, wurde mir erneut bewusst, wie wichtig es ist, zu helfen, sobald sich eine Gelegenheit dazu bietet. In den beengten Verhältnissen des Slums konnte er sich im Rollstuhl nicht fortbewegen; selbst Krücken waren auf den schmalen, holprigen Wegen kaum zu gebrauchen.

Als wir seine kleine, dunkle Hütte betraten und seine Geschichte hörten, wurde uns klar: Gott hatte uns zu diesem verzweifelten Menschen geführt. Unser Besuch und das Versprechen, ihm regelmäßig Hilfspakete zu bringen, gaben ihm neuen Mut. Ein breites Lächeln erhellte sein von Schmerzen gezeichnetes Gesicht. Mit Tränen in den Augen sagte er, er spüre, dass Gott seine Gebete erhört und uns geschickt habe, um Licht und Hoffnung in sein Dunkel zu bringen.

Wir waren dankbar, dass wir dem inneren Drang gefolgt waren, mehr für ihn zu tun. So konnten wir sein Leben spürbar verändern. Jetzt, da Willie von uns gegangen ist, bin ich froh, dass wir ihm über die Jahre hinweg etwas von seiner Last abnehmen konnten. Es lohnt sich, auf die leise Stimme unseres gottgegebenen Gewissens zu hören: Oft weist sie uns den richtigen Weg.

Auch wenn wir als Gläubige füreinander da sein wollen, lassen wir häufig Gelegenheiten verstreichen, anderen ihre Last zu erleichtern. Manchmal erkennen wir ihre Not nicht; manchmal fehlt es uns an Einfühlungsvermögen. Doch wenn wir aufeinander achten, öffnen sich unsere Augen für die Not der anderen und unsere Herzen für Güte und Barmherzigkeit.‍ ‍¹

„Die höchste Form der Anbetung ist der selbstlose christliche Dienst. Die schönste Form des Lobpreises ist das Geräusch hingegebener Schritte, die sich aufmachen, um Verlorene und Hilflose zu suchen.“ – Billy Graham

¹ Activated:‍ ‍Eine kleine Geste der Freundlichkeit

Franz Kre

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