Hoffnung und das Gefühl, wertgeschätzt zu werden
„Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.“ (Jeremia 31,3)
Von all den Geschichten, die Victor Hugo in „Les Misérables“ miteinander verwebt, berührt mich die Geschichte des ehemaligen Sträflings Jean Valjean und eines Bischofs aus einer Kleinstadt am meisten. Nachdem ihn fast alle, die er um ein Nachtlager gebeten hat, abgewiesen haben, gelangt Jean schließlich zum Haus des Bischofs. Dieser hat Mitleid mit ihm und lädt ihn zum Abendessen ein.
Während des Essens fallen Jean das silberne Besteck – Gabeln, Löffel und eine Schöpfkelle – und die beiden kunstvollen Kerzenleuchter auf. Der Bischof zeigt Jean sein Zimmer und wünscht ihm eine gute Nacht. In den frühen Morgenstunden erwacht Jean, schleicht am Zimmer des Bischofs vorbei und sieht ihn friedlich schlafen. Er stopft das Silber in seine Tasche, rennt durch den Garten und verschwindet in der Dunkelheit.
Am nächsten Morgen erzählt die Haushälterin dem Bischof, dass das Silber verschwunden ist. Da klopft es an der Tür, und mehrere Polizisten treten mit Jean Valjean ein. Der Bischof lächelt und sagt: „Ah, Jean, ich freue mich, dich zu sehen! Ich habe dir doch auch die Kerzenleuchter geschenkt. Warum hast du sie nicht mitgenommen?“ Die Polizisten gehen.
Der Bischof gibt Jean die Kerzenleuchter und sagt ihm, er solle in Frieden gehen. Doch zuvor ermahnt er ihn, fortan ein ehrlicher Mensch zu sein. Jean Valjean wird später für seine Güte und Großzügigkeit bekannt und rettet durch seinen Mut und seine Aufrichtigkeit vielen Menschen das Leben. Die Barmherzigkeit des Bischofs wird zum Wendepunkt in Jeans Leben – sie schenkt ihm Hoffnung und das Gefühl, etwas wert zu sein. ¹
„Auch wenn wir unvollkommen sind, liebt Er uns vollkommen … Er liebt jeden von uns, selbst die, die fehlerhaft, abgelehnt, unbeholfen, traurig oder gebrochen sind.“ – Dieter F. Uchtdorf
¹ Activated: Die Kerzenleuchter des Bischofs